Und Action! 5 Webcams im Praxistest

Moment? Eine Webcam? Aber mein Laptop hat doch schon eine Kamera eingebaut, wirst du jetzt denken. Das ist sogar sehr wahrscheinlich, allerdings glänzen integrierte Webkameras vornehmlich durch ihre magere Videoqualität. Klassische PCs verzichten oftmals gleich ganz auf eine Webcam. Möchtest du dich also bei Videokonferenzen oder beim Online-Streaming adäquat in Szene setzen, solltest du dir eine leistungsstarke Webcam zulegen. Zwei Faktoren sind dabei maßgeblich: eine unkomplizierte Installation und natürlich eine gute Bildqualität beziehungsweise Videoqualität. Letztendlich ist die Videoqualität eine Preisfrage. Willst du etwa in Full HD bei 1080 Pixeln (p) mit smoothen 60 Frames per Second (fps) streamen, musst du mehr Geld in die Hand nehmen als für eine Webcam für den gelegentlichen Skype-Videoanruf. Preislich bewegen sich unsere Modelle im Webcam Vergleich zwischen 35 und 160 Euro*.

In diesen Kategorien testen wir

  • Verarbeitung: Sowohl vom Gehäuse als auch vom Befestigungsclip der Streamcam erwarten wir eine hochwertige Verarbeitung. Sie soll ja nicht gleich auseinanderfallen, das gute Stück. Gleiches gilt für das Anschlusskabel mit USB-Stecker.
  • Handhabung: Handbuch studieren oder Tutorial gucken? Nein danke! Wir wollen, dass unsere Webcam sofort einsatzbereit ist. Sie sollte unbedingt intuitiv zu bedienen sein. Außerdem wünschen wir uns, dass die Webcam mit den gängigen Betriebssystemen und Streaming Software wie OBS kompatibel ist.
  • Videoqualität: Ob die Webcam etwas taugt hängt maßgeblich von der Qualität ihrer Videos und Fotos ab. Wie hoch ist die Framerate bei maximaler Videoauflösung? Verfügt die Kamera über einen Autofokus? Wie kommt sie mit schwachen Lichtverhältnissen oder Gegenlicht zurecht?

Scharfer Testsieger: Logitech C922 Pro Stream Webcam

Die Logitech C922 Pro Stream Webcam erfreut sich großer Beliebtheit. Und das zu Recht! Zwar ist sie mit knapp 120 Euro* nicht unbedingt ein Schnäppchen, allerdings bietet sie im Test das beste Komplettpaket. Die kompakte Webcam liefert dir scharfe Full HD Bilder bei einer maximalen Videoauflösung von 1080p mit 30 fps. Was die Logitech C922 noch so drauf hat, erfährst du in unserem detailierten Einzeltest.

Preis-Leistungs-Sieger: Vitade 960A Pro Webam

Deutlich günstiger als der Testsieger präsentiert sich die kleine Vitade 960A Pro Webcam. Für einen überschaubaren Preis von knapp 80 Euro* liefert sie dir ein richtig gutes Bild für Videoanrufe. Im Vergleich zur Logitech C922 fallen die Farben etwas knackiger und das Bild insgesamt etwas heller aus. Letzteres liegt am guten automatischen Weißabgleich. Der ist äußerst praktisch, wenn die Lichtverhältnisse nicht so super sind. Generell gilt übrigens: Egal ob Streaming oder Videokonferenz, je mehr Licht desto besser. Also mach die Festbeleuchtung an. Deine Webcam belohnt dich mit einem deutlich besseren Bild bei Videoaufnahmen. Abstriche musst du bei der Vitade Kamera allerdings hinsichtlich der Auflösung machen. Bei einer Full HD Auflösung von 1080p schafft sie Webcam nur 30fps. Die Kanten sind nicht ganz so gestochen scharf und das Bild wirkt minimal matschig.

Bei schwachem Licht kannst du mit dem integrierten Leuchtring etwas gegensteuern. Die Helligkeit dieses Lichtrings kannst du via Touchpad zwar in drei Stufen einstellen aber ein Flutlicht ist er bei weitem nicht. Gegenlicht mag die Webcam überhaupt nicht. Sitzt du etwa vor einem Fenster, steigt der automatischen Weißabgleich aus und das Bild frisst aus. Die Konturen deines Gesichts zerfasern dann in einer milchigen Suppe. Schade finden wir, dass die auf der Packung beworbene Hintergrundersatz nur in Verbindung einer VIP-Premium-Mitgliedschaft beim Anbieter Personify möglich ist. Und ganz ehrlich: Das Ergebnis sieht nicht besser aus als bei der integrierten Kamera unseres Laptops. Pluspunkte gibt es für die breit gefächerte Kompatibilität. Neben Windows XP und macOS 10.6 (beides aufwärts), Android und Linux, kannst du die Vitade auch an deine Xbox One stöpseln.

Fazit: Die Vitade 960A Pro ist eine unkomplizierte und dank Plug+Play schnell einsatzbereite Webcam. Sie punktet mit einem guten automatischen Weißabgleich, der integrierte Leuchtring kommt hingegen über den Status eines netten Gimmicks nicht hinaus. Das Bild ist nicht so gestochen scharf wie beim Testsieger, dafür wirken die Farben etwas knackiger. Wenn du mit deiner Investition unter 100 Euro* bleiben möchtest, greif zu.

Kamera läuft: diese Webcams testen wir ebenfalls

Neben dem guten Testsieger und dem günstigeren Preis-Leistungs-Sieger werfen wir einen Blick auf drei weitere Webcams. Von der schicken Lifecam für Gamer oder Instagram-User bis zur Budget-Kamera für Videocalls ist für jeden Einsatzzweck etwas dabei.

Logitech Streamcam: Schick, aber klobig

Rein optisch macht die weiße „Logitech Streamcam“ im Testfeld am meisten her, auch wenn sie etwas bullig wirkt. Sie bietet mit das beste Bild im Vergleich und punktet zudem mit einem sehr guten Autofokus und einem starken automatischen Weißabgleich. Warum es trotzdem nur für Platz zwei reicht, liest du im ausführlichen Einzeltest.

Aukey 1080p Webcam: Weitwinkel für epische Panoramaaufnahmen

Die „Aukey 1080p“ gehört zu den beiden Webcams im Test, die unseren Preis-Leistungs-Sieger preislich unterbieten. Gleiches gilt allerdings auch für die Videoqualität. Aber der Reihe nach. Wie alle Modelle im Test ist die Aukey schnell einsatzbereit. Kompatibel ist sie mit allen gängigen Systemen und auch die Streaming Software OBS findet das Modell ziemlich fix. So weit, so gut. Schwach finden wir hingegen die Videoqualität. Bei einer Auflösung von 1080p packt die Aukey nur 30 fps. Und wie Full HD sieht das wirklich nicht aus: Die Kanten sind ausgefranst, das Bild schlicht nicht scharf und der automatische Weißabgleich zaubert dir eine allzu noble Blässe ins Gesicht. Übrigens sind auch im HD-Modus mit 720p nicht mehr als 30 fps drin.

Der Befestigungsclip könnte für unseren Geschmack etwas stabiler sein, kann zur Not aber als improvisierter Standfuß genutzt werden. Beim Streaming deiner Gaming-Sessions oder Tutorials auf YouTube wird die Webcam oft überfordert sein. Bei Videokonferenzen oder Skype-Anrufen leistet sie dir – ausreichend Tageslicht vorausgesetzt – passable Dienste. Allerdings solltest du vor dem Call mit deinem Chef vorsichtshalber das Zimmer aufräumen. Denn das Sichtfeld des Weitwinkelobjektivs zeigt nicht nur dich, sondern auch deine Umgebung im Panoramaformat.

Fazit: Du möchtest nicht viel Geld für eine Webkamera in die Hand nehmen, planst keine epischen Gaming-Streams und telefonierst via Skype hauptsächlich mit Freunden und Verwandten? Dann ist die Aukey 1080p Webcam mit weitem Sichtfeld etwas für dich.

Trust HD720 Trino Webcam: Solider Purist

Die „Trust HD720 Trino“ Webcam reicht in Sachen Videoqualität nicht an die Konkurrenz im Test heran. Mit einer maximalen Auflösung von 720p und 30 fps hinkt sie den übrigen vier Modellen deutlich hinterher. Die Installation ist dafür unkompliziert. Weniger gut gefällt uns der Befestigungsclip – das ist eine vergleichsweise wackelige Angelegenheit. Als einzige Webcam im Test kannst du sie auch nicht auf ein Stativ montieren.

Der Auslöseknopf für Fotos auf der Oberseite ist nicht mehr als ein nettes Gimmick. Immerhin kannst du damit Standbilder mit bis zu 8 Megapixeln aufnehmen. Allerdings ist das Auslösen etwas umständlich, wenn die Webkamera am Monitor befestigt ist.

Fazit: Wenn dein Laptop über keine Kamera verfügt oder du eine Webcam für die Videotelefonie an deinem Desktop PC benötigst, wirklich nicht viel Geld ausgeben möchtest und kein Full-HD-Junkie bist, dann ist die einfache Trust HD720 Webcam etwas für dich.

So haben wir die Webcams getestet

Schon beim Unboxing prüfen wir, wie hochwertig das Gehäuse, der Befestigungsclip und das Anschlusskabel verarbeitet sind. Sehr gut gefällt uns das bei der Streamcam von Logitech. Auch die Logitech C922 und die Vitade Webcam machen in dieser Kategorie einen guten Eindruck.

Wie du dir vorstellen kannst, sitzen auch wir Corona-bedingt derzeit ziemlich oft im Homeoffice und stimmen uns hauptsächlich via Videokonferenzen in Microsoft Teams ab. Da lässt sich ganz gut checken, wie einfach eine externe Webcam sich anschließen und bei verschiedenen Videochat-Programmen einrichten lässt. Wir probieren alle Modelle beim schon erwähnten Microsoft Teams sowie bei Skype und Google Hangouts aus. Jede Webcam im Test lässt sich dort problemlos anwählen und ist sofort einsatzbereit. Achtung übrigens: Parallel kannst du die Kamera nicht verwenden. Nutzt du sie beispielsweise bereits mit einer Software wie OSB, musst du dieses Programm erst beenden, bevor du sie mit deinem Videochat-Programm nutzen kannst.

Die Videoqualität checken wir mit der Opensource Software OBS. Dort kannst du die Kameraeinstellungen recht einfach anpassen und siehst das Ergebnis sofort im Vorschaufenster. Die beste Qualität der Bilddarstellung liefern uns im Test die beiden Modelle von Logitech. Mit Abstrichen ist auch die Qualität beim Preis-Leistungs-Sieger von Vitade in Ordnung.

Alle fünf Webcams wurden im Praxistest mit Hilfe von verschiedenen Videotelefonie Programmen geprüft

Darauf solltest du bei der Entscheidung für eine Webcam achten

Zunächst solltest du dir über den Einsatzzweck deiner neuen Webcam Gedanken machen. Brauchst du das Modell nur für die gelegentliche Videotelefonie oder willst du es für regelmäßige Videomeetings oder Streaming-Sessions nutzen? Je höher die Videoauflösung, desto schärfer das Bild. Legst du Wert auf ein scharfes Video, solltest du zu einer Webcam greifen die mit 1080p, also in Full HD filmt. Insbesondere wenn du bildschirmfüllende Videos produzierst und das Bild der Webcam wie bei einem Gaming-Stream nicht nur klein unten in einer Ecke des Bildschirms eingeklinkt ist. Neben der Auflösung ist die Bildrate, die Frames per Second, für eine gute Videoqualität entscheidend. Je höher die Bildrate, desto flüssiger läuft die Videoübertragung. Liefert die Kamera weniger als 24 fps, beginnt das Bild zu ruckeln. Für normale Bewegungen reicht also eine Bildrate von 30 fps. Zum Vergleich: Actioncams arbeiten mit 60 fps, 120 fps oder sogar 240 fps. Im Test liefert die Logitech mit 1080p und 60 fps das schärfste und flüssigste Bild in einem mit Tageslicht gut ausgeleuchteten Raum.

Eine gute Ausleuchtung verbessert das Bild sehr. Je schlechter die Lichtverhältnisse, desto körniger und diffuser wird das Video. Schalte deswegen alle Lampen an, die du zur Verfügung hast. Mit Gegenlicht kommen auch gute Webcams nur schwer zurecht. Vermeide es am besten, dich mit dem Rücken zum Fenster zu setzen. Andernfalls wird der Hintergrund sehr hell, dein Gesicht aber zu dunkel dargestellt. Sehr hilfreich in Sachen Belichtung ist ein automatischer Weißabgleich. Der ist im Test bei den Logitech Modellen und der Vitade gut. Ebenfalls ein Gewinn ist eine Autofokusfunktion. Neue Modelle sind mit Facetracking ausgerüstet. Das heißt, sie erkennen Gesichter im Bildausschnitt und stellen automatisch auf diese scharf.

Die meisten Webcams stöpselst du via USB-Stecker ein. Neuere Modelle verfügen jedoch nur über einen modernen USB-C-Stecker. Hast du keine entsprechende Buchse, und das ist auch bei einigen neuen Laptops und Computern hin und wieder der Fall, brauchst du einen Adapter, um losfilmen zu können. Wenn du Videos streamen willst, brauchst du auch einen guten Ton. Um es kurz zu machen: Du solltest in ein externes Mikrofon investieren. Die integrierten Mikros der Webcams taugen allenfalls für einen Videochat, nicht aber für eine gute Stimmaufzeichnung da sie meist dumpf und blechern klingen. Komfortabel ist auch eine Linsenabdeckung, mit der du die Streamcam bei Nichtgebrauch schließen kannst. Neben Antivirenprogrammen ein wirkungsvoller Schutz gegen Hackerangriffe.

Häufige Fragen zu Webcams

* Alle Preise Stand August 2020