Schrauben anziehen wie ein Profi – knickende, knackende und piepende Drehmomentschlüssel im Test

In diesem Test zeigen wir dir, welches Werkzeug am besten für dich geeignet ist. Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle. Alle Produkte decken den Drehmomentbereich von 40 bis 170 Newtonmetern (Nm) ab. Das Anziehen von Radmuttern ist sicher das bekannteste Anwendungsgebiet. Hierbei benötigst du in der Regel ein Drehmoment zwischen 100 und 140 Newtonmetern. Wesentlich niedrigere Drehmomente benötigst du beim Schrauben am Motor oder an der Lenkung deines Fahrzeugs. Die Nüsse, die du dazu benötigst, sind auch meistens viel kleiner. Das sind zwei Kriterien in unserem Test: Verstellen des Drehmoments und Wechseln der Nüsse. Wie gut das bei den einzelnen Produkten funktioniert, erfährst du in unserem Test. Die Art der Signalisierung ist ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Es gibt Drehmomente die knacken, andere klicken und ein weiterer piept. Wir prüfen die Vor- und Nachteile.

In diesen Kategorien testen wir

  • Qualität: Da der Drehmomentschlüssel ordentlich was aushalten muss, sollte er natürlich aus hochwertigen Materialien bestehen, die ihn vor Schmutz und Kratzern schützen. Zusätzlich haben wir die Schlüssel in unserem Test auf ihren Auslösemechanismus überprüft und ihre Eignung für Fachbetriebe beurteilt.
  • Bedienkomfort: Die intuitive Bedienung des Drehmomentschlüssels ist sehr wichtig. Daher prüfen wir für dich, wie einfach du dein gewünschtes Drehmoment einstellen, sichern und ablesen kannst. Außerdem führen wir zahlreiche Drehrichtungs- und Nusswechsel durch.
  • Ergonomie: Bei diesem Werkzeug ist es sehr wichtig wie gut es in der Hand liegt. Um eine sichere und präzise Bedienung zu gewährleisten, solltest du vor allem mit der Haptik des Griffes gut klarkommen.

Die Drehmomentschlüssel überprüfen wir in unserem Test unter anderem auf ihre Qualität, Bedienkomfort und Ergonomie. Der Wera Click Torque C3 überzeugt dabei am meisten

Unser Testsieger - Wera Click Torque C3 – Das Profi-Gerät mit dem perfekten Materialmix

Der Drehmomentschlüssel des Werkzeugherstellers Wera vermittelt von Beginn an ein Gefühl von Perfektion. Hochfester Stahl in Verbindung mit einem sehr angenehmen Griff. Egal ob du den Drehmomentschlüssel für eine Hobbywerkstatt oder deinen Fachbetrieb brauchst. Der Wera Click Torque C3 ist in jedem Fall ideal geeignet. Was genau den Drehmomentschlüssel von Wera zu unserem Testsieger macht, liest du im Einzeltest.

Preis-Leistungs-Sieger – Unitec 20809 – Klein, robust, günstig

Der Drehmomentschlüssel von Unitec ist mit Abstand der günstigste im Testfeld. Bereits beim Auspacken werden wir überrascht. An dem Drehmomentschlüssel ist alles aus Metall. Keine günstigen Kunststoffe zu sehen. Der mit 42 bis 45 Zentimeter lange Drehmomentschlüssel mit dem auffällig dünnen Griff liegt erstmal sehr gut in der Hand. Während des Testens fallen uns die Besonderheiten des Griffs aus Vollmetall auf. In Sachen Robustheit und Schmutzanfälligkeit macht ihm keiner was vor. Beim intensiven Arbeiten, speziell wenn viel Kraft erforderlich ist, zeigen sich erste Nachteile. Der stahlharte Griff, der an der Unterseite auch noch eine kantige Mutter besitzt, drückt sich in die Handfläche ein. Er ist außerdem so kurz, dass man ihn mit etwas größeren Händen nur schlecht umfassen kann.

Das Verstellen des Drehmoments geht zu Beginn sehr schwergängig. Es dauert etwas, bis sich das werkseitig aufgebrachte Fett verteilt hat. Dann geht es zwar etwas leichter aber trotzdem nur mit ziemlichem Kraftaufwand. Außerdem fällt uns auf, dass beim Verstellen des Drehmoments die Grifflänge variiert. Daher auch die unpräzise Angabe der Gesamtlänge. Der Drehmomentschlüssel kommt in einer praktischen Box. Mit dabei eine Vierkant Verlängerung und zwei für den Radwechsel typischen 17er und 19er Nüssen.

Fazit: Für gelegentliches Festziehen von Radmuttern am Auto ist der Unitec absolut ausreichend. Musst du häufig unterschiedliche Drehmomente einstellen und auch mal Drehmomente über 150 Nm festziehen? Dann raten wir dir in dieser Preisklasse zum Drehmomentschlüssel von Goodyear.

Alle weiteren Produkte im Test

Dieser Abschnitt dient dir als Ratgeber für deine Kaufentscheidung, falls dich unsere Sieger noch nicht überzeugt haben. Im Testfeld sind weitere fünf Modelle mit besonderen Eigenschaften. Zu allen getesteten Drehmomentschlüsseln fassen wir die wichtigsten Daten und Besonderheiten zusammen.

Stier Drehmomentschlüssel – Top Kandidat in guter Qualität

Der Drehmomentschlüssel von Stier zählt eindeutig zu den Topgeräten im Test. Die Bedienung ist intuitiv und für jeden Anwender geeignet. Der Schüssel ist sehr handlich und liegt gut in der Hand. Qualitativ ist er auf dem gleichen Niveau wie der Drehmomentschlüssel von Gedore. Von der Bedienbarkeit kann er sich mit wenigen Abstrichen mit dem Testsieger von Wera messen. Das Entsperren und erneutes Arretieren der Drehmomentverstellung ist sehr gut gelöst.

Über den am Kopf befindlichen Knopf kannst du die Arretierung des Vierkants lösen und die Nüsse einfach wechseln. Das Ablesen der Skala ist zu Beginn etwas ungewohnt. Die Zahlen werden durch eine integrierte Lupe etwas vergrößert.

Fazit: Zu einem wirklich fairen Preis bekommst du hier ein sehr hochwertiges Werkzeug, das sich auf keinen Fall hinter den großen Namen anderer Hersteller verstecken muss.

Hazet 5122 3 CT – Der Alleskönner für die Autowerkstatt

Kannst du eine Autowerkstatt dein Eigen nennen, dürfte der Hazet sicher der Topkandidat für dich sein. Er zeichnet sich durch Qualität und Präzision aus. Ist robust und kann alles was du von einem Drehmomentschlüssel erwartest. Mehr Details und weitere Hinweise zur idealen Verwendung findest du im Einzeltest zum 5122 3 CT.

Gedore red R68900200 – Solides Werkzeug mit klaren Schwächen

Gedore red Produkte stehen für Funktionalität, Anwendungskomfort und Langlebigkeit. Den meisten Punkten können wir zustimmen. Der Anwendungskomfort ist bei diesem Drehmomentschlüssel an einigen Punkten zu kritisieren. Beispielsweise beim Wechseln der aufgesteckten Nüsse. Diese lassen sich nur sehr schwer von dem ½ Zoll Vierkant lösen. Es gibt keinen Knopf der die Arretierung löst. Das Wechseln der Drehrichtung unterliegt dem gleichen Problem.

Die Drehrichtung kann nicht über einen Kipphebel geändert werden. Willst du das Drehmoment in die andere Richtung messen, musst du hierzu den gesamten Vierkant aus dem Kopf rausziehen. Auch das geht wieder sehr schwer, da die Arretierung extrem straff ausgeführt ist. Ist dieser schwergängige Wechsel für dich kein Problem, profitierst du von dem Vorteil der Nutzung in beide Drehrichtungen.

Fazit: Musst du nicht ständig die Nuss oder die Drehrichtung wechseln, bist du mit dem Gedore R68900200 gut bedient. Er ist kompakt, handlich und robust. Das Drehmoment lässt sich leicht verstellen und sehr gut ablesen.

Goodyear 75522 – Ausschließlich für den Privatgebrauch

Falls du dich über den Hersteller wunderst – ja, es handelt sich um den US-Amerikanischen Reifenhersteller. Das Werkzeug wird aber nicht von diesem produziert, sondern nur über ihn vermarktet. Der Drehmomentschlüssel von Goodyear ist auffällig groß und massiv. Er ist mit seinen zwei Kilogramm der schwerste im Testfeld.

Das Drehmoment lässt sich von 42 bis 210 Newtonmetern leicht verstellen und arretieren. Sofern deine Hände groß genug sind, um den dicken Griff zu umfassen. Unbedingt anzumerken ist, dass dieses Werkzeug als einziges im Test über kein Kalibrierzertifikat nach entsprechender DIN verfügt und damit nicht für Fachbetriebe zugelassen ist.

Fazit: Zusammenfassend ist zu sagen, dass dieses Werkzeug seinen Zweck im Privatgebrauch erfüllt aber gegenüber den anderen keine Vorteile mit sich bringt.

Brüder Mannesmann – Überzeugt die digitale Drehmomenteinstellung?

Der digitale Drehmomentschlüssel von Mannesmann sticht aus der Masse heraus. Als einziges elektrisch betriebenes Werkzeug im Test unterscheidet es sich massiv von den anderen. Das Werkzeug besteht aus sehr viel Kunststoff. Du benötigst Batterien, die im Lieferumfang enthalten sind. Das Drehmoment stellst du mithilfe der Tasten auf dem digitalen Display ein. Die Bedienung ist keinesfalls intuitiv. Laute Pieptöne bestätigen deine Eingabe. Als nächstes stecken wir die Nuss auf, um die Radmuttern festzuziehen. Dabei stellen wir fest, dass die standardmäßige ½ Zoll Nuss nicht passt. Der Antrieb des Mannesmann verfügt über einen 3/8 Zoll Vierkant. Dieses Maß ist zwar ein Standard DIN Maß, allerdings für die Verwendung von Nüssen für Radmuttern völlig unüblich. Ist die richtige Nuss gefunden, ziehen wir die Schrauben fest. Das Erreichen des eingestellten Drehmoments wird erneut mit einem lauten Piepen signalisiert. Eine mechanische Entkoppelung findet nicht statt, sodass die Nuss weiter gedreht werden kann.

Positiv anzumerken ist, dass du das Drehmoment in beide Richtungen einstellen und auch messen kannst. Du bekommst nicht erst eine Meldung bei Erreichen des Drehmoments, du siehst außerdem das aktuell wirkende Moment auf dem Display. Zusätzlich hast du die Möglichkeit dir einen Peak-Wert anzeigen zu lassen. Also das maximale Moment, das bei der Verwendung auf das Werkzeug gewirkt hat.

Fazit: Das Werkzeug sticht aus der Masse heraus. Interessante Funktionen sind enthalten, für den typischen Verwendungszweck allerdings nicht relevant. Falls du keine der besonderen Features benötigst, raten wir dir definitiv eines der analogen Werkzeuge genauer anzusehen.

So haben wir getestet

Bevor wir die Werkzeuge auf ihre Funktion testen, widmen wir uns erstmal der Haptik und Handlichkeit aller Produkte. Die Ergonomie spielt eine wichtige Rolle. Das sind die Merkmale, die man nicht in den technischen Spezifikationen findet. Wie fühlt sich der Griff an? Wie einfach lässt sich das Drehmoment verstellen und arretieren? Kann man die Skala gut ablesen? Bereits bei diesem ersten Eindruck gibt es enorme Unterschiede. Der Wera beispielsweise hat im Gegensatz zum Mannesmann einen sehr angenehmen Griff vor allem für größere Hände. Auf dem Datenblatt kann ein Werkzeug perfekt sein, wenn aber die Handhabung sehr schwergängig ist, bringt das nichts. Daher vergleichen wir nicht nur die Herstellerangaben, sondern testen die Produkte in einem realen Umfeld.

Mit den Schlüsseln ziehen wir beispielsweise Radmuttern mit unterschiedlichen Drehmomenteinstellungen fest. Dabei stellen wir fest, dass sich der Unitec sehr schwer verstellen lässt, der Wera und der Stier hingegen spielend leicht. Wir wiederholen die Messungen immer wieder, um einen Rückschluss auf die Präzision zu bekommen. Häufiges Wechseln der Nüsse und Verstellen des Drehmoments stehen genauso auf dem Testplan wie das Umkehren der Drehrichtung. Hierbei hat sich gezeigt, dass ein Arretieren und Lösen der Nüsse per Knopfdruck sehr angenehm ist. Diese Funktion besitzen der Wera, der Stier und der Mannesmann. Ist diese Funktion nicht vorhanden, müsstest du die Ratsche immer um 90 Grad zurückdrehen, damit sie wieder einrastet. Der Mannesmann hat hier die feinste Unterteilung, was aber auch mit seiner kleineren 3/8 Zoll Aufnahme zusammenhängt. Unitec und Goodyear unterteilen sehr grob in wenige Rastpunkte.

Neben den realen Anwendungen führen wir auch Versuche zur Messgenauigkeit durch. Dabei spannen wir die Drehmomentschlüssel in einem Schraubstock ein und lassen eine definierte Kraft auf sie wirken. Unter Berücksichtigung des Hebelarms lässt sich daraus das wirkende Drehmoment berechnen. Auch die Ratschenunterteilung spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Entgegen der eingestellten Drehrichtung, also im Leerlauf, hat die Ratsche Rastpunkte. Das ist das Klicken, das du beim Zurückdrehen hörst. Je mehr dieser Rastpunkte es gibt, desto feiner kannst du die Ratsche zurückdrehen. Damit kannst du die Nuss präzise auf deine Schraube ausrichten.

Die sieben Schlüssel Modelle haben unterschiedliche Stärken. Da ist für jeden Schrauber der richtige Drehmomentschlüssel dabei

Welchen Drehmomentschlüssel kaufen?

Beim Kauf eines Drehmomentschlüssels solltest du dir zuerst die Frage stellen, was du damit anstellen willst. Brauchst du ihn einzig dazu, um alle sechs Monate die Radmuttern festzuziehen? Dann wirst du mit dem Testsieger natürlich überaus zufrieden sein, ein günstigeres Produkt erfüllt allerdings auch seinen Zweck.

Allen Unkenrufen zum trotz, kommt es hier tatsächlich mal auf die Größe an: Mit großen Händen wirst du sowohl mit dem Mannesmann als auch mit dem Unitec nicht glücklich. Der Griff ist einfach zu klein. Hast du sehr kleine Hände, ist vielleicht der Testsieger von Wera trotz allem nicht die beste Wahl für dich.

Benötigst du den Drehmomentschlüssel für einen Fachbetrieb ist die entsprechende Zertifizierung Pflicht. Geräte, in denen das Verstellen des Drehmoments und der Wechsel der Nüsse aufwändig ist, fallen hier ebenfalls raus. Somit eignen sich dazu aus unserem Test nur die Drehmomentschlüssel von Wera, Hazet und Stier. Nutzt du den Schlüssel hauptsächlich zum Räderwechseln empfehlen wir dir, unbedingt einen Schlüssel mit ½ Zoll Aufnahme zu wählen.

Unser TippRäderwechsel mit einem Drehmomentschlüssel

Arbeite möglichst ohne Verlängerung der Nuss. Durch den größeren Abstand zur Felge ist das zwar komfortabler, allerdings hat sich im Test deutlich gezeigt, dass die Torsion innerhalb der Verlängerung je nach Länge und Material sehr groß ist. Das gemessene Drehmoment am Schlüssel ist dadurch größer als das tatsächlich auf die Schraube wirkende. Das führt dazu, dass dein Schlüssel beispielsweise bei 120 Newtonmetern eine Warnung auslöst, an der Radmutter aber nur 110 Newtonmeter ankommen. Für gebräuchlichsten Größen der Radmuttern gibt es aus diesem Grund etwas längere Nüsse, die ein Verkratzen der Felgen verhindern.

Häufig gestellte Fragen zum Drehmomentschlüssel

* Alle Preise Stand Mai 2020