Schnipp schnapp, Kette ab! 7 Bolzenschneider im Praxistest

Bolzenschneider machen mit Metall, wie etwa Rundstahl, kurzen Prozess. Die Einsatzorte sind dabei vielfältig: Während auf dem Bau mit Bolzenschneidern oder ähnlich konstruierten Mattenschneidern Baustahlmatten zerteilt werden, benötigst du ihn zu Hause eher, um das verrostete Schloss an der Gartenlaube zu knacken oder um überstehende Nägel zu kappen. Je nachdem was du mit deinem neuen Bolzenschneider durchtrennen möchtest, musst du den maximalen Durchmesser sowie den Härtegrad der Backen (Klingen des Bolzenschneiders) berücksichtigen. Die Geräte gibt es in verschiedenen Längen. Vom kompakten 20 Zentimeter-Modell bis zur schweren 90 Zentimeter Wuchtbrumme. Je länger die Holme, desto besser die Hebelwirkung und somit auch die Schneidkraft. Sind die Backen allerdings nicht aus hochwertigem Werkzeugstahl gefertigt, bringt dir die beste Hebelwirkung nichts, weil die Schneidflächen zu weich sind. Im Testfeld untersuchen wir Bolzenschneider mit einer Länge zwischen 36 und 90 Zentimeter, um verschiedene Einsatzbereiche abzudecken. Preislich liegen die Monster-Kneifer zwischen 30 und 120 Euro*. Während der Arbeit mit einem Bolzenschneider solltest du auf jeden Fall eine Schutzbrille tragen, da die durchtrennten Metallteile auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt werden können, wenn sie unter Spannung stehen.

 

In diesen Kategorien testen wir

  • Qualität: Wie sind die Backen, also die Klingen, des Bolzenschneiders verarbeitet. Auch bei den Griffen und den Holmen sehen wir uns die Verarbeitung ganz genau an.
  • Bedienkomfort/Handling: Bolzenschneider sind sehr massiv und dadurch natürlich auch schwer. Lässt es sich trotzdem bequem mit ihnen arbeiten? Wir legen auch Wert darauf, dass der Bolzenschneider gut in der Hand liegt.
  • Schneidleistung: Darauf kommt es ja eigentlich an! Welche Durchmesser schafft der Bolzenschneider und wie leichtgängig ist er dabei? Welchen Härtegrad nach Rockwell (HRC) schneidet er? In dieser Kategorie berücksichtigen wir auch den Härtegrad der Backen.

Sehr guter Testsieger: Knipex 7172 610 Bolzenschneider

Der Knipex Bolzenschneider hinterlässt im Vergleich den besten Gesamteindruck. Als eines der am besten verarbeiteten Modelle überzeugt er hinsichtlich Schneidleistung und Handling. Wie der Knipex Kneifer im Detail abgeschnitten hat, erfährst du in unserem ausführlichen Einzeltest.

Preis-Leistungs-Sieger: Stanley Bolzenschneider

Der Stanley Bolzenschneider spielt in Sachen Länge und Gewicht in der gleichen Liga wie der Vergleichssieger von Knipex. Bei knapp 60 Zentimeter bringen beide etwa 2,5 Kilogramm auf die Waage. Allerdings kostet er gerade einmal die Hälfte des Konkurrenten. Der Preisunterschied schlägt sich deutlich in der Verarbeitung nieder. Während jedes Detail des Modells von Knipex sehr gut gefertigt ist, präsentiert sich der Stanley Metall-Kneifer eher solide. Die Pufferung zwischen den Holmen ist sehr hart und generell finden wir den Bolzenschneider etwas schwergängig. Dank der Justierschraube kannst du ihn jederzeit nachjustieren, sollte der Abstand zwischen den Backen zu groß werden. Die rutschfesten Griffe aus Kunststoff könnten für unseren Geschmack allerdings etwas ergonomischer sein.

Die Schneidleistung hingegen gefällt uns gut. Der Stanley Bolzenschneider kommt mit einem maximalen Durchmesser von 9,5 Millimetern zurecht. Die aus robustem Chrom-Molybdän Werkzeugstahl gefertigten gelenkgeschmiedeten Backen kappen Metall bis zu einer Härte von 48 HRC (siehe FAQ). Im Test macht der Stanley mit Schrauben, Gliederketten und den Bolzen eines Vorhängeschlosses kurzen Prozess. Mit dem 8 Millimeter Stahlseil des Fahrradschlosses müht sich der Stanley wie die meisten Bolzenschneider im Test. Dafür sind die einzelnen Fasern des Spiralschlosses allerdings auch einfach zu fein. Setzt du den Bolzenschneider direkt an der Schließe des Schlosses an, ist es ruckzuck durch. Der Messerkopf ist austauschbar. Erhältlich ist der Stanley Bolzenschneider mit Stahlrohrschenkel auch in den Längen 35, 45, 75, 90 und 105 Zentimetern.

Fazit: Der schreiend gelb lackierte Stanley Bolzenschneider eignet sich perfekt für dich, wenn du im Garten, Haushalt oder der Garage hin und wieder Nägel, Schrauben oder ein altes Vorhängeschloss kappen musst. Für einen guten Bolzenschneider musst du hier nicht allzu tief in die Tasche greifen.

So schneiden die übrigen Bolzenschneider im Test ab

Neben dem sehr guten Testsieger von Knipex und den soliden Preis-Leistungs-Sieger von Stanley schicken wir fünf weitere Bolzenschneider ins Rennen. Von der kompakten 30-Zentimeter-Zange bis zur massiven 90-Zentimeter-Wuchtbrumme ist alles vertreten.

VBW Waggonit Bolzenschneider: Starke Verarbeitung im oberen Preissegment

Der „Waggonit“ Bolzenschneider vom deutschen Werkzeughersteller VBW ist hervorragend verarbeitet. Insbesondere der gelenkgeschmiedete und atramentierte (siehe FAQ) Messerkopf aus Werkzeugstahl macht einen sehr hochwertigen und robusten Eindruck. Der komplette Kopf ist auch als Ersatzteil erhältlich und lässt sich so bei Bedarf austauschen. Mit seinen 76 Zentimetern Länge bringt er satte 4,4 Kilogramm auf die Waage. Die Schneidleistung ist sehr gut und kann sich mit der des Testsiegers messen. Ketten, Schrauben und Bolzen bis zu einem Härtegrad von 40 HRC sind für den Waggonit kein Problem. Die schwere Zange packt einen maximalen Durchmesser von 11 Zentimetern.

Allerdings finden wir die rutschfesten Kunststoffgriffe etwas dick und wenig ergonomisch. Dafür gefällt uns die Pufferung zwischen den Holmen sehr gut. Zudem lässt sich der Bolzenschneider jederzeit dank der Justierschrauben nachjustieren. Der Waggonit ist außerdem in den Längen 46, 61 und 91 Zentimetern erhältlich.

Fazit: Der Waggonit ist mit etwas unter 120 Euro* der teuerste Bolzenschneider im Testfeld. Mit dem massiven Werkzeug kannst du dich auch im Profibereich sehen lassen. Wenn du regelmäßig einen robusten Bolzenschneider in der Werkstatt oder im Garten benötigst, dann lohnt sich die Anschaffung des hochwertigen Waggonit auf jeden Fall.

VBW Lightcut Bolzenschneider: Das Leichtgewicht

Der 80 Zentimeter lange „Lightcut“ von VBW ist überraschend leicht für seine Größe. Mit knapp 2,6 Kilogramm ist er beinahe zwei Kilogramm leichter als der kürzere VBW Waggonit Bolzenschneider im Testfeld. Seine Schneidleistung ist gut, allerdings benötigen wir etwas mehr Muskelkraft, um die Ketten und Bolzen im Test zu durchtrennen. Dennoch erledigt der Lightcut seinen Job bis zu einem Härtegrad von 48 HRC ordentlich. Die Verarbeitung des gelenkgeschmiedeten und atramentierten Messerkopfes mit Justierschrauben ist sehr gut.

Während des Kappens von Metall empfinden wir die Pufferung zwischen den Aluminium Holmen als angenehm. Gleiches gilt für die Griffe aus Kunststoff. Die liegen im Vergleich mit am besten in der Hand. Der Lightcut schafft einen Durchmesser von 10 Millimetern

Fazit: Der Lightcut Bolzenschneider von VBW ist erfreulich leicht. Wenn du also regelmäßig längere Zeit mit einem solchen Werkzeug arbeiten musst, ist der Lightcut eine sehr gute Wahl. Gute Schneidleistung und geringes Gewicht haben allerdings auch ihren Preis: der Bolzenschneider ist mit knapp 100 Euro* das zweitteuerste Modell im Test.  

Fiskars Power Gear Bolzenschneider 36 Zentimeter: Der Zwerg

Den „Power Gear Bolzenschneider“ von Fiskars bekommst du nicht nur in einer Länge von 36 Zentimetern, sondern auch in den Ausführungen 61, 76 und 91 Zentimeter. Wir testen die kompakteste, kleinste Version und sind beeindruckt von deren Schneidleistung. Durch die kürzeren Holme müssen wir mehr Muskelkraft beim Schneiden von Ketten, Bolzen und Gewindestangen aufwenden als bei den längeren Bolzenschneidern im Test. Allerdings kappen die geschmiedeten Klingen des Power Gears unser Schnittgut problemlos. Bedingt durch die Kompaktheit packt der kleine Bolzenschneider auch nur Durchmesser von maximal 8 Millimeter. Auch beim maximalen Härtegrad musst du ein paar Abstriche in Kauf nehmen. Der Fiskars Kneifer kappt alles unter einer Härte von 40 HRC. Für den Hausgebrauch ist das vollkommen in Ordnung.

Punkten kann der Power Gear besonders bei der Verarbeitung. Da liegt er gemeinsam mit dem Testsieger von Knipex deutlich an der Spitze. Der Messerkopf mit dem hebelkraftverstärkenden Getriebe verfügt über verstellbare Exzenterbolzen zum Justieren der gehärteten Backen. Der Bolzenschneider liegt dank seiner ergonomischen Softgrip Griffe ausgezeichnet in der Hand. Mit knapp 50 Euro* ist der aufgerufene Preis überschaubar.

Fazit: Wenn du auf der Suche nach einem kräftigen und kompakten Bolzenschneider für deine Heimwerkstatt und den Garten bist, ist der Fiskars Power Gear genau das Richtige für dich. Wenn du Metall mit einem größeren Durchmesser schneiden willst, kannst du auch zu einer größeren Modellvariante greifen.

Topex Bolzenschneider: Für den kleinen Geldbeutel

Der „Topex Bolzenschneider“ ist einer der beiden 90-Zentimeter-Klopper in unserem Testfeld. Mit knapp 6 Kilogramm ist er nicht nur besonders schwer, hinzu kommt, dass seine Kunststoffgriffe nicht besonders angenehm in der Hand liegen. Die Verarbeitung des Messerkopfes ist solide. Doch für einen Preis um die 30 Euro* für einen so großen Bolzenschneider kannst du nicht mehr erwarten. Die Schneidleistung ist ebenfalls solide. Allerdings verschieben sich die Backen während des Schneidens der Stahlbolzen und der Kettenglieder immer wieder einmal. Auch mehrmaliges Nachjustieren der Exzenterschrauben hilft da nicht weiter. Immerhin knackt er das Metall letztlich doch. Jedoch haben wir das Gefühl, dass wir mit dem Topex mehr Muskelkraft für das Kappen aufbringen müssen als mit den kleineren Modellen von Fiskars, Knipex und Stanley.

Wir vermissen Angaben zum maximalen Härtegrad der Backen. Erhältlich ist der Topex Schneider auch in den Längen 45, 60 und 75 Zentimeter. Die beiden letzteren Modelle liegen ebenfalls bei 30 Euro*, beim kleinsten Modell musst du 10 Euro* weniger hinblättern.

Fazit: Der Topex Bolzenschneider ist etwas für dich, wenn du nicht viel Geld für einen Metallschneider in die Hand nehmen möchtest. Für den gelegentlichen Gebrauch zu Hause ist er in Ordnung.

Kraftmann Bolzenschneider: Solider Gelegenheitshelfer

Abgesehen von der roten Lackierung unterscheidet sich der „Kraftmann Bolzenschneider“ nahezu kaum von der Topex Zange. Mit 90 Zentimetern und 5,5 Kilogramm gehört er zu den schwersten und größten Bolzenschneidern im Test. Allerdings reicht die Schneidleistung des etwas über 30 Euro* teuren Werkzeugs nicht an die der Konkurrenz heran. Zwar kappt er alle Schrauben, Bolzen und Kettenglieder, mit denen wir ihn füttern, dazu ist jedoch erheblich mehr Kraftaufwand nötig. Und das trotz der eigentlich besseren Hebelwirkung durch die längeren Holme.

Hinzu kommt, dass sich die Backen bei hartem Metall wie beim Modell von Topex verschieben. Auch ist die Pufferung des Gelenks aus Gussmetall sehr hart. Uns fehlen auch hier die Angaben zum maximalen Härtegrad. Allerdings lässt sich der Bolzenschneider via Extenterschraube justieren.

Fazit: Der günstige Kraftmann Bolzenschneider eignet sich für dich, wenn du ab und zu mal ein altes Vorhängeschloss im Garten oder eine Kette in deiner Werkstatt zerteilen musst. Gängigen Baustahl kappt er bis zu einem Durchmesser von 12 Millimetern ebenfalls ganz ordentlich.

So haben wir getestet

Unser erster Blick gilt der Verarbeitung der Werkzeuge. Wir erwarten, dass die Einzelteile ordentlich zusammenmontiert sind und keine scharfen Kanten haben – natürlich abgesehen von den Klingen des Messerkopfes. Die Verarbeitung ist unserer Meinung nach bei den Modellen von Knipex und Fiskars sehr gut. Tadellos präsentieren sich hier auch die Bolzenschneider von VBW und Stanley.

Im Test schneiden wir verzinkte Gliederketten mit einer Stärke von 4 und 5 Millimetern. Außerdem Zaundraht mit 1,5 Millimeter Stärke, Universalschrauben mit 5 Millimeter Stärke sowie 6 Millimeter starke Maschinenschrauben aus Stahl. Außerdem versuchen wir uns an einem 8 Millimeter Spiralfahrradschloss, einem 20 Millimeter durchmessenden Panzergliederschloss und einem Kettenschloss aus gehärtetem Stahl mit 6 Millimeter starken Kettengliedern. An alle, die Angst vor Fahrraddieben haben: das Kettenschloss aus gehärtetem Stahl knackt keiner der Bolzenschneider im Test. Da musst du schon mit einem Winkelschleifer ran. Das übrige Schnittgut zerteilen die Bolzenschneider mal mehr mal weniger einfach. Probleme haben alle Modelle mit dem Stahlseil des Spiralschlosses. Letztlich kappen sie alle Fasern des Stahlseiles bis auf eine oder zwei. Die sind dann allerdings zu fein für die grobschlächtigen Bolzenschneider. Da hilft ein Seitenschneider oder gleich ein Kabelschneider.

Im Praxistest haben wir mit den sieben Bolzenschneidern verschiedene Metalle zertrennt

Darauf solltest du bei der Entscheidung für einen Bolzenschneider achten

Zunächst solltest du dir Gedanken darüber machen, zu welchem Einsatzzweck du einen Bolzenschneider benötigst. Hast du vor, hin und wieder dicke Drähte, Pianodraht, Schrauben, Ketten oder ein altes Vorhängeschloss im Garten zu knacken, dann reicht dir vermutlich schon ein kompakter Mini-Bolzenschneider wie etwa der Fiskars Power Gear mit 36 Zentimetern. Der macht dort weiter, wo dein Seitenschneider kapituliert und du mit der Eisensäge vermutlich stundenlang brauchen würdest. Generell gilt, je länger die Holme, desto besser die Hebelwirkung und ein größerer zu schneidender Durchmesser. Bist du ein passionierter Heimwerker, darf ein Bolzenschneider in deiner Werkstatt nicht fehlen. Mit einem 61 oder 75 Zentimeter langen Metall-Knipser bist du da bestens ausgerüstet. Achte auch darauf, dass der Hersteller angibt, bis zu welchem Härtegrad die Backen schneiden. In der Regel sind das 48 HRC. Bei günstigen Modellen fehlen diese Angaben oft, wie bei Kraftmann und Topex. Erfahrungsgemäß nutzen die Backen bei solchen Bolzenschneidern deutlich schneller ab.

Auf jeden Fall sollte ein Bolzenschneider eine Justierschraube zum Einstellen des Abstands der Backen haben. So kannst du ihn ganz genau auf deine Anforderungen einstellen. Weitere Kaufkriterien sind rutschfeste Griffe, geschmiedete Einzelteile und austauschbare Messerköpfe. So sind angenehme Griffstücke wichtig, damit der Bolzenschneider während der Arbeit gut in der Hand liegt. Im Test punkten hier Fiskars, Knipex und VBW mit ihren Gummigriffen. Während das Gelenkteil bei hochwertigen Bolzenschneidern mit Mehrkomponenten ein geschmiedetes Teil ist, werden bei preiswerten Modellen häufig weniger robuste Gussteile verbaut. Ist der Messerkopf nach einigen Jahren intensiven Gebrauchs durch, kannst du ihn bestenfalls gegen einen neuen austauschen, ohne gleich ein neues Werkzeug kaufen zu müssen.

Wichtige Fragen zu Bolzenschneidern

* Alle Preise Stand September 2020